Dienstag, 15. Dezember 2009

Annette Gonserowski
Frühling
Hab das Gestern
vergraben,
mit seinem trocknen
Wurzelballen,
tief unter die Erde.
Nun sitz ich
fassungslos
vor aufgewühltem Lehm,
aus dem ein Zweiglein ragt,
mit grünen Stundenblättern.


Frühlingsahnen

Ich spür das Frühlingsahnen.
Klirrt noch Frost auf starren Zweigen,
müssen Gräser sich der Kälte neigen,
ziehen auch Stürme wilde Bahnen,


so spür ich's doch in mir ganz tief,
dass irgendwo in klarer Luft
ein ganz geheimer Frühlingsduft
heut' schon seinen Namen rief!


Gibt noch Schnee der Erde Ruh,
trägt unter ihm die Wurzel Triebe
und Knospen die erstarrten Zweige,


es malt der Himmel immerzu
das pastellne Bild der Frühlingsliebe.
Komm, damit ich es Dir zeige.

*
Wintermorgen
.
In die blaue Stunde hinein
erwacht schwarz weiß
der Morgen.
Jetzt an die Farben
unter dem Schnee
glauben,
und an das Leben.
Aus dem Schweigen
die Worte sammeln.
aus dem Buch: Geliebte Freundin Sehnsucht

Hans-Werner Kube

Geh, dichte

mach den Affen
den Elefanten mach
dir einen Reim
auf alles Ungereimte
mach dir ein Bild
und sei im Bilde
und mach dich lustig
mitunter lächerlich

komm aus dem Takt
beim Gleichschritt
blase den Marsch
und pfeif drauf

jongliere mit Stil
bringe die Träume
zum Schäumen
schlage Rad
am Grabe
und Haken
in die Phrasen

werde dichter

Zu Ruhr 2010:
Gerd Herholz (Hg.), Stimmenwechsel - Poesie längs der Ruhr, Klartext Verlag.
Lyrikanthologie // 73 Gedichte renommierter Ruhrgebietsautoren

***

Wildwiese

Zwischen grünen Gräsern strecken Marienblümchen
ihre weißen, rötlich bespitzten Blütenräder,

gaukeln Schmetterlinge zwischen
Löwenzahnsonnen, Taubnesselkerzen und Zittergras,
wiegen daran,

umsummen Bienen weiße und blasslila Kleeblumen,
sammeln süßen Nektar aus den kleinen Dolden,

flirren Libellen ihre blitzschnellen Kreise
und spazieren Vögel,
scharrend nach Futter suchend.

Wilma Frohne

***



Königin der Nacht

Wenn du die Nacht liebst
So mache mich zu Königin
der Nacht

Vertreibe die Wolken
Poliere die Glanzkörper
und verdichte die kalte Luft
mit deinem Atem

Wenn du die Nacht liebst

So nimm meine Tageskrone ab
Roll den roten Teppich aus
Schmücke das Gemach aus
und sing das schönste Lied

überhaupt
Ich werde dich anlachen
Ich werde über dich wachen

(c) Velina van der Gaag
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